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"Shangri-La"_Daocheng

Das Grenzgebiet zwischen Sichuan, Yunnan und Tibet in der Mitte des Hengduan-Gebirges in Südwestchina wurde traditionell Kangba genannt. Aber in den letzten Jahren hat man dieses Gebiet in ,"Großes Shangri-La" umbenannt, denn die Landschaft in diesem Gebiet wie die Kreise Daocheng und Xiangcheng der Provinz Sichuan, die Kreise Zhongdian und Deqen der Provinz Yunnan und dier Kreise Yanjing (Caka'lho) und Putog sind so schön wie die von ,"Shangri-La", die der britische Schriftsteller James Hilton in seinem Roman ,"Lost Horizon" geschildert hat.

An einem Festtag reisten wir von Chengdu aus westwärts durch Ya'an, Kangding und Litang und erreichten schließlich den Kreis Daocheng im Süden des Tibetischen Autonomen Bezirkes Garze.

In Daocheng wohnten wir in einem Privathotel. Der Hotelbesitzer war ein alter Tibeter namens Blozang Yixi. Es war ein burgförmiges, dreistöckiges Wohnhaus mit Steinwänden. Das Erdgeschoss dient als Getreidespeicher, im ersten Stock gibt es Küche, Speisesaal, Wohn- und Schlafzimmer. Alle Hotelzimmer liegen im zweiten Stock. Sie sind nicht groß, aber sehr sauber und gemütlich. Wir fühlten uns wie zu Hause. Im Speisesaal wurden tibetische und chinesische Gerichte angeboten. Im dritten Stock gab es einen Dachgarten, um den kleine Wohnräume gruppiert waren. Von unserem Wirt erfuhren wir, dass diese Zimmer nach der Renovierung ebenfalls als Gästezimmer dienen werden.

Blozang Yixi hat eine glückliche Familie. Alle seine Kinder arbeiten in der Kreisregierung. Auf unsere Frage, warum er dieses Familienhotel gegründet hat, antwortete er: ,"Um dem Aufruf der Lokalregierung Folge zu leisten, denn mit der Entwicklung des Tourismus kommen immer mehr Besucher hierher."

Uns wurde erzählt, dass alle Tibeter im Kreis Daocheng Buddhisten sind. Hier gibt es insgesamt 14 Tempel, die den verschiedenen Richtungen des Lamaismus wie der Roten, Weißen, Gelben und der Blumensekte angehören. Wie James Hilton in seinem Buch geschildert hat, leben all diese Gruppen in Eintracht und Frieden miteinander.

In der Gemeinde Sangdui besuchten wir einen prächtigen Tempel. Von unserem Fahrer erfuhren wir, dass dieser Tempel Bongpu heißt und eine heilige Stätte der Weißen Seke ist. Hier steht eine Statue von Karmapa Dusumkhyenpa (1110-1193), dem ersten Lebenden Buddha der Weißen Sekte. Als wir an den heiligen Ort gelangten, fand gerade eine Begrüßungszeremonie für den Lebenden Buddha der Weißen Sekte aus der Provinz Yunnan statt. Auf dem Platz vor dem Tempel saßen zahlreiche Menschen. In der Mitte des Platzes war ein langer roter Teppich für den Heiligen ausgerollt. Als sich der Lebende Buddha mit seiner Autokolonne, die von 20 Reitern begleitet wurde, näherte, wurde er von allen Anwesenden mit lauter Musik und Trommelschlägen begrüßt. Alte Leute knieten auf dem Boden, während die Kinder ihm Hadas (Schals aus weißer Seide als Begrüßungsgeschenk) überreichten. Der Lebende Buddha ging in seiner goldfarbigen Mönchskutte auf dem roten Teppich auf den Altar zu und übermittelte den Anwesenden durch seine gefalteten Hände seinen Gruß. Anschließend begann eine Zeremonie, bei der der Lebende Buddha allen Anwesenden als Segenswunsch über den Kopf streichelte.

Im Dorf Sara, sechs Kilometer südlich der Kreistadt entfernt, sahen wir einen kleinen Tempel mit roten, weißen und gelben Außenwänden, was ihn als Tempel der Blumensekte des Lamaismus kenntlich machte. Als wir unsere Kamera auf diesen Tempel richteten, hörten wir jemand singen. Ein tibetisches Mädchen mit einem Tragkorb auf dem Rücken sammelte singend Kuhmist. Kurz danach ging eine alte Pilgerin mit einem Gebetsrad in der Hand in den Tempel. Nach dem Gebet verließ sie den Tempel und saß an einem Mani-Steinhaufen, wo sie Sutras rezitierte. Welch eine friedliche und ruhige Atmosphäre! Wirklich eine kleine Ausflucht von der Welt! Wir genossen, was die Natur für uns am Daocheng-Fluss bereitgehalten hatte und wir bemerkten gar nicht, dass die Sonne immer tiefer sank. Jak-Herden zogen im Abendschein zurück in ihr Nachtlager und die Glocken an ihrem Hals klingelten leise.

(China im Bild/China.org.cn, 10. November 2003)

 

 

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